Version 2.0
Sehr geehrte Herr Landesrat Seitinger,
wie in der Kleinen Zeitung vom 17.8.2011 zu lesen war, werden dort Pfeilgiftfrösche als gefährliche Tiere angeführt.
Mit diesem Schreiben möchten wir ein wenig Licht auf die tatsächliche
(Un-)Gefährlichkeit der Pfeilgiftfrösche werfen.
Wie Sie vielleicht wissen, brauchen Pfeilgiftfrösche spezielle Nahrung aus
der sie das Gift synthetisieren können. Diese Nahrung besteht in der
Natur hauptsächlich aus speziellen Ameisen und Milben. Da dieses Futter in Europa jedoch nicht vorkommt, sind alle Pfeilgiftfrösche in unseren Terrarien vollkommen ungiftig und somit für Mensch und Tiere ungefährlich.
Weiter möchten wir auch darauf hinweisen, dass Pfeilgiftfrösche ihr Gift nicht aktiv an Menschen
abgeben können. Pfeilgiftfrösche scheiden in der Natur ihr Gift als Schutz vor Fressfeinden durch die Haut aus. Sie können also nicht wie z.B Giftschlangen durch Angriffe, Bisse oder Stiche den Menschen aktiv gefährden.
Der giftigste Frosch, in der Natur, ist der Phyllobates terribilis.
Nachdem der "furchtbare Frosch" 1978 entdeckt und beschrieben war, wurde er bis 1988 importiert. Nach 1988 fällt der Frosch unter Cites 2 und war deshalb nicht mehr importierbar. Kolumbien hat keine Ausfuhrcites ausgestellt. Vergiftungsfälle aus diesem Zeitraum sind nicht bekannt.
Im Ursprungsland der Pfeilgiftfrösche gewinnen die Indigenas das Gift für ihre Blasrohrpfeile aus dem schaumigen Rückensekret. Dazu müssen diese Frösche nachhaltig einer extremen Stresssituation ausgesetzt werden, um die Giftsekretion zu veranlassen.
Der Frosch wird dabei aufgespießt um die Sekretion auszulösen oder er wird über offenes Feuer gehalten bis es zur Schaumbildung kommt.
Pfeilgiftfrösche werden regelmäßig nachgezogen und alle gehandelten Tiere sind ungiftige Nachzuchten. D.h., es gibt keine Wildfänge und somit giftige Pfeilgiftfrösche in Österreich.
Heute - nach Jahrzehnten ohne Zwischenfälle und ohne legale Beschaffungsmöglichkeit von giftigen Wildtieren - ein solches Verbot nachzureichen, ist unverhältnismäßig und verstößt zudem gegen den Grundsatz, das Gesetze und
Verordnungen dem angegebenen Zweck erkennbar dienen müssen.
Wir möchten Sie daher bitten, sämtliche Pfeilgiftfrösche von der Liste der gefährlichen Arten
zu streichen. Darüber hinaus möchten wir Sie darauf hinweisen, dass es sich dabei um WA II geschützte Arten handelt - bei denen absehbar ist, dass sie in der Natur nicht mehr lange vorkommen werden.
Nachträglich möchten wir Ihnen eine Hochschulschrift mit dem Thema Gefährliche Tiere in Menschenhand der Universität München zukommen lassen. Ganz besonders möchten wir sie auf Kapitel 4 - Punkt a (Seite 82) hinweisen.
Mit der Bitte um Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,
Sollte ich bis am Sonntag keine Änderungswünsche von euch erhalten, werden ich das Email so absenden.